INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH: IKT-Branche will Tempo beim Breitbandausbau machen

  • Erste Tranche der "Breitbandmilliarde" soll auf 300 Millionen angehoben werden
  • IKT-Branche fordert "Beschleunigungspaket" für den Breitbandausbau
  • Bremsen für Investitionen in IKT-Struktur gehören aufgehoben
  • Bundesregierung muss Umsetzung der nationalen IKT-Strategie beschließen
  • INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH will bei Flüchtlingstragödie helfen: Betreiber starten Hilfsprojekt

Anlässlich des heute zum dritten Mal stattfindenden IKT-Konvents mit Vertretern der IKT-Branche und der Bundesregierung präsentiert die INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH (IOÖ) ihre Forderungen, wie die Zukunft des IKT-Standortes Österreich gestaltet werden soll. Allen voran macht sie sich für eine rasche Auszahlung der Fördermittel, einen beschleunigten Ausbau des Breitbandnetzes und einer zielgerichteten Umsetzung einer von allen Seiten akkordierten IKT-Strategie stark, um den IKT-Standort Österreich aufzuwerten. Ing. Rudolf Kemler, Präsident der INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH: "IKT ist nicht ein Selbstzweck einer einzelnen Branche, sondern bestimmt im zunehmenden Maß die Wettbewerbsfähigkeit aller Wirtschaftszweige und des gesamten Wirtschaftsstandortes. Mit 28 Prozent Anteil am Wirtschaftswachstum ist IKT zu einem bestimmenden Faktor unseres Wohlstandes und damit auch unserer sozialen Stärke geworden. Das müssen wir absichern. Die IKT-Strategie aus dem Regierungsprogramm ist die richtige Antwort auf diese Herausforderung", so Kemler.

 

Erhöhung der ersten Tranche der Breitbandmilliarde

"In diesem Sinn begrüßen wir die Ankündigung der Bundesregierung, die erste Tranche der so genannten Breitbandmilliarde um 100 Millionen auf 300 Mio. Euro anzuheben", so Dr. Hannes Ametsreiter, CEO der A1 Telekom Austria und Vizepräsident der IOÖ. "Das ist eine der wesentlichen Errungenschaften dieses Arbeitsjahres. Mit der Erhöhung können wir den Wunsch unserer Kunden nach flächendeckendem Hochgeschwindigkeits-Internet rascher erfüllen." Damit werden rund 360.000 Haushalte früher als ursprünglich vorgesehen eine Breitband-Internetversorgung erhalten. Das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 fünfzig Prozent der Haushalte mit 100 Mbit/s Bandbreite und nahezu weitere fünfzig Prozent mit 30 Mbit/s zu versorgen, kann somit bereits ein Jahr früher erreicht werden.

 

Keine Bremse durch Telekom-Regulierung

Doch abseits der Fördermaßnahmen bremsen derzeit etliche Investitions- und Technologiehürden den raschen Ausbau und die Stärkung des IKT-Standortes. Wir werden uns als Internetoffensive daher weiterhin für eine Trendwende einsetzen, denn ohne ganzheitliche IKT-Strategie und zugehörige Infrastruktur-Maßnahmen zieht das 21. Jahrhundert an uns vorbei", so Ametsreiter.

In die gleiche Kerbe schlägt Mag.Thomas Arnoldner, IOÖ-Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Alcatel-Lucent Austria "Die technische Weiterentwicklung bei Breitbandnetzen ist rasant und extrem eindrucksvoll. Gelingt es uns, die erforderlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz neuester Technologien zu schaffen, leisten wir nicht nur einen Beitrag zur langfristigen Sicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich, sondern demonstrieren damit auch internationale Innovationsführerschaft."

Die INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH schlägt daher ein so genanntes Beschleunigungspaket für den Breitbandausbau vor. Dieses beinhaltet u.a. die Abschaffung der Asymmetrie in der Mobilterminierung sowie den Einsatz moderner Übertragungstechnologien. Handlungsbedarf bestehe auch bei den mobilen Terminierungsentgelten (MTR), die in Deutschland mehr als doppelt so hoch sind wie hierzulande. Dies führe derzeit zu massivem Mittelabfluss in das europäische Ausland.
"Was wir benötigen, ist die Förderung eines technologieneutralen Wettbewerbs, bei dem der Kunde aus mehreren Anbietern wählen kann. Vielerorts wird die Breitbandversorgung auf Basis von Mobilfunk aber auf lange Sicht die einzige Möglichkeit sein, abgelegene Gebiete an schnelles Internet anzubinden und gleichzeitig Wettbewerb in diesen Gegenden sicherzustellen. Das Beschleunigungspaket für den Breitbandausbau wird uns dabei unterstützen, das mobile Internet im ländlichen Raum noch schneller und dichter zu machen.", ergänzt DI Jan Trionow, CEO der Hutchison Drei Austria und IOÖ-Vorstand.

 

Keine Festplattenabgabe, Abschaffung der verpflichteten Papierrechnung

Auch die immer noch verpflichtende Papierrechnung und die geplante Einführung der Festplattenabgabe stellen massive Erschwernisse für die Entwicklung des IKT-Sektors dar, genauso wie der drohende vorgezogene Wegfall der Roaming-Einnahmen. "Damit wird der IKT-Standort Österreich geschwächt. Dabei brauchen wir moderne und zukunftsorientierte Lösungen", so Trionow. Er warnt davor, die Investitionsfähigkeit der Branche zu bremsen.
Die im Zuge der Urheberrechtsnovelle diskutierte Einführung einer gerätegebundenen Speichermedienabgabe, die eine Vergütung für alle Formen von Festplatten wie Mobiltelefone, Kameras, Tablets etc. vorsieht, würde die Branche mit einem Belastungspaket in geschätzter Höhe von 45 Mio. Euro hart treffen. Aber auch Konsumenten wären durch die Abgabe zur Kasse gebeten, da die Festplattenabgabe Endgeräte um bis zu 30 Euro verteuert.

 

Investitionsplan für Österreichs IKT-Strategie gefordert

"Die Politik ist gefordert, die 2013 gemeinsam erarbeitete IKT-Strategie zügig umzusetzen. Diese wurde im Regierungsprogramm beschlossen und muss nun dringend verabschiedet werden", fordert Dr. Andreas Bierwirth, CEO der T-Mobile Austria und IOÖ-Vizepräsident. Das gemeinsame Ziel muss sein, Österreich als IKT-Top-Nation zu positionieren und bis zum Jahr 2020 unter die besten 5 Länder im Networked Readiness Index (NRI)-Ranking zu bringen. "Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir eine moderne und zuverlässige Infrastruktur, koordinierte Schwerpunktsetzung und die Konzentration auf einige wenige Exzellenzfelder." Gleichzeitig bedarf es eines konkreten Investitionsplans der Bundesregierung für die Umsetzung der IKT-Strategie, in dem die Schwerpunkte für die nächsten Jahre definiert sind. "Ansonsten droht ein weiterer dramatischer Rückfall im internationalen IKT-Ranking, in dem wir schon zuletzt einige Plätze verloren haben", so Bierwirth.

 

Keine IKT-Rückentwicklung in der Verwaltung

Die INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH arbeitet intensiv an der Entwicklung von schlagkräftigen Maßnahmen gemäß der IKT-Strategie. Allerdings werden derzeit die IKT-Budgets in der öffentlichen Bundesverwaltung dramatisch gekürzt, was erneut dem Ziel, Österreichs als Top-IKT-Nation zu etablieren, zuwider läuft. "IKT-Investitionen der öffentlichen Hand sind für den Wirtschaftsstandort Österreich, was das Schmieröl für den Motor ist. Sie sorgen für einen reibungslosen Ablauf zwischen Verwaltung und Privatwirtschaft und vermeiden "Überhitzung", stellt Dr. Georg Krause, Mitglied der Geschäftsführung SAP Österreich und Vizepräsident der IOÖ, dar. "Gerade die Innovationskraft des Bundes im Bereich eGovernment und Österreichs Rolle als eGovernment-Land Nummer 1 muss unbedingt erhalten bleiben."

"Stay in touch": IKT-Projekt für Flüchtlinge in Österreich

Abseits der aktuellen Forderungen an die Bundesregierung präsentiert die INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH ihr Projekt "Stay in touch", eine Art "IKT Schnellhilfe für Flüchtlinge" in Österreich. "Denn politische Konflikte sind immer auch Kommunikationsherausforderungen, das Schicksal von Flüchtlingen kann wiederum mit Kommunikationsmaßnahmen gemildert werden.", erklärt Bierwirth. Die Vision: Ähnlich wie in Internet-Cafés soll künftig in Flüchtlingsheimen an einigen PCs Internet zur Verfügung stehen. Mitglieder der IOÖ stellen dazu Breitbandanschlüsse - je nach Situation durch Mobilfunk oder Festnetz - ebenso wie PCs oder Tablets zur Verfügung und übernehmen auch den Techniksupport. Flucht bedeutet nicht nur den Verlust von Wohnstätte, Arbeit oder materiellen Gütern. Es ist vor allem der Verlust einer Verbindung zu Familie, Nachbarn und Freunden, der die Flüchtlinge schwer belastet. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologie kann einen Beitrag leisten, um dieses Schicksal zu mindern. Durch "IKT Schnellhilfe für Flüchtlinge" soll Betroffenen geholfen werden, mit ihren Angehörigen in Kontakt zu bleiben. In Zukunft soll das Projekt mit Freiwilligen-Unterstützung auch ausgebaut werden.

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Foto: APA/Martin Hörmandinger