Erfolgreiche IKT-Länder setzen auf Venture Capital – Österreich muss nachziehen


Deutschlands aktuelles Venture Capital - Maßnahmenpaket bedeutet innovative Standortförderung.

Erfolgreiche IKT-Länder machen es vor - insbesondere in Deutschland bekommt das Thema aktuell neuen Aufwind: Bundeskanzlerin Merkel fordert bessere Bedingungen für Start-Ups und Wirtschaftsminister Gabriel kündigt eine Digitale Agenda für Deutschland an.

Die INTERNETOFFENSIVE ÖSTERREICH sieht sich in ihren Forderungen zur Stärkung von staatlichen Venture Capital Förderungen bestätigt. Diese setzen langfristige, standortpolitische Impulse und sichern Arbeitsplätze. 

Gezielte staatliche Venture Capital Investments sind nicht nur in der Anfangsphase eines Unternehmens entscheidend. Ebenso müssen diese als Wachstums- und Expansionsfinanzierung zur Verfügung stehen. Speziell in der IKT-Branche ist eine innovative Gründerszene von besonderer Bedeutung, um die industrielle Wertschöpfung im eigenen Land zu halten und somit global wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die angeführten aktuellen Entwicklungen in Deutschland zeigen einmal mehr den Aufholbedarf Österreichs im Bereich der Venture Capital – Förderung.

Das Zusammenwirken von Politik und Wirtschaft ist für einen starken IKT-Sektor zukunftsentscheidend. So ist in Deutschland der Ausbau der Gründungsfinanzierung im aktuellen Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPDdezidiert verankert:

  • Venture-Capital Gesetz auf den Weg bringen, um Deutschland als Investitionsstandort für Risikokapital international attraktiv zu machen.
  • Durch Investitionszuschüsse soll der Einsatz von Risikokapital weiter gefördert werden. Die Förder- und Finanzierungsinstrumente von Bund, Ländern und EU sollen evaluiert und gegebenenfalls angepasst werden.
  • Etablierung eines Gründungsgeistes in Deutschland und Schaffung einer Kultur der zweiten Chance. 
  • Erleichterung der Unternehmensgründungen im IT-Bereich und Launch eines innovativen Netzwerks für Start-Ups durch die Wirtschaft.

 

Status quo der Massnahmen

Die Deutsche Bundesregierung unterstützt innovative Gründungsvorhaben mit Beteiligungskapital und Zuschüssen - federführend das Ministerium für Wirtschaft und Energie. Seit Mai 2013 existiert das Programm „Investitionszuschuss Wagniskapital“. Die Förderrichtlinie wurde am 22. April 2014, unter dem Namen „INVEST – Zuschuss für Wagniskapital“, novelliert, um dem deutschen Risikokapitalmarkt besser gerecht zu werden. Die Fördervoraussetzungen für die Beteiligungen privater Investoren an jungen Unternehmen wurden für beide Seiten vereinfacht. Unter anderem soll ein Förderfähigkeitslogo zukünftig die Förderfähigkeit der Unternehmen bescheinigen. Die Förderhöhe von mind. 10.000 EUR bleibt unverändert. 

Im Juli 2013 wurde die Europäische Verordnung über Europäische Risikokapitalfonds (EuVECA) verabschiedet, welche Venture Capital-Fonds einen so genannten EU-Pass zum EU-weiten Vertrieb an (semi-)professionelle Anleger bietet.

GEPLANTE MASSNAHMEN 

-  Die Deutsche Bundesregierung plant den Zuschuss für Risikokapital durch die zeitnahe Einführung von Steuererleichterungen noch attraktiver zu gestalten.

  •      Die Bundesregierung wird durch die Einführung einer Steuerbefreiung für „INVEST“ die steuerlichen Rahmenbedingungen für Risikokapitalinvestitionen verbessern.
  •      Die geplante Befreiung von Ertragsteuern auf den Risikokapitalzuschuss hält die Bundesregierung für eine sinnvolle Maßnahme.

 

-  Im Jahr 2013 konnte Risikokapital in Höhe von 673,89 Mio. EUR in ganz Deutschland mobilisiert werden (laut Bundesverband der Kapitalbeteiligungsgesellschaften). Deutschland hat einen Anteil der Risikokapitalinvestitionen am BIP von 0,02 %. Vergleich: Israel 0,39%, USA 0,17%.

-  Die Bundesregierung prüft derzeit, ob und gegebenenfalls wie Börsengänge für junge Unternehmen neu belebt werden können (Börsengänge als Exit-Option einer Risikokapitalbeteiligung).

-  Im Rahmen des wöchentlichen Video-Podcasts hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte Mai für bessere Start-Up Bedingungen ausgesprochen.

  •      Schaffung vereinfachter steuerlicher Rahmenbedingungen bei der Anfangsfinanzierung von Start-Ups.
  •      Eine neue gesellschaftliche Akzeptanz für Unternehmensgründer ist notwendig. Im Vergleich mit den USA plädiert Bundeskanzlerin Merkel entschieden dafür, dass das „Scheitern nicht als Untergang“ gesehen werden darf - weitere Chancen sollten selbstverständlich sein.
  •      Es existieren zahlreiche Beispiele innerhalb der Europäischen Union, dass erfolgreiche Start-Ups oftmals sehr rasch von großen Technologiekonzernen aufgekauft werden (v.a. in der digitalen Branche). Hier muss gegengesteuert werden.
  •      Es bedarf neuer Überlegungen wie erfolgreiche Start-Ups aus eigener Kraft im Wettbewerb bestehen können und nicht gezwungen sind abzuwandern.

 

-  Wirtschaftsminister Gabriel kündigte eine Digitalen Agenda für Deutschland noch vor Sommer 2014 an, um unter anderem Wachstumshemmnisse und bürokratische Hürden bei Unternehmensgründungen zu beseitigen und um die gesellschaftliche Anerkennung für GründerInnen zu steigern.